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Wie alles begann

Nach meiner Zeit bei der Bundesmarine habe ich lange Zeit mit maritimen Dingen nichts zu tun haben wollen. Die gemachten Erfahrungen in meiner Wehrdienstzeit, im besonderen mit Vorgesetzten der "niedrigen Dienstgrade", waren alles andere als kameradschaftlich. Im "normalen" Leben würde man diesen Personen aus dem Weg gehen oder Konflikte von "Mann zu Mann" austragen. Leider waren die Auswahlmöglichkeiten, als Obergefreiter, doch sehr eng. Vieles musste eingesteckt werden und die eigene Position innerhalb des Mikrokosmos "D-182" erst gefunden werden.

Nach der Überwindung von Seekrankheit und dem erlernen der richtigen Gangart bei Seegang, rückte langsam das Interesse für die Seefahrt und Technik in den Vordergrund. So bekam ich einen anderen Bezug zur Marine und dem Meer. Es entwickelte sich im laufe der Zeit eine gewisse Verklärung der damals gemachten Erfahrungen. Übrig geblieben sind nur die positiven Dinge.

Einige Jahre später lernte ich Bernd Oetzmann kennen, ein Vater einer Klassenkameradin meiner Tochter. Bei Gesprächen stellten wir fest, dass wir zu unterschiedlichen Zeiten auf "D-182" gefahren sind. Ein weiterer Berührungspunkt zwischen Bernd und mir war auch das gemeinsame Interesse am Schiffsmodellbau. 

Bernd hatte seine ersten Modellbauerfahrungen auf dem gemeinschaftlichem Küchentisch gesammelt. Sein erstes Modell war der Flusseisbrecher Lüneburg. Die Informationen hatte er aus dem Buch "Das Eisbrecherwesen im Deutschen Reich" von M.Görz und M.Buchheister entnommen. Unser gemeinsames Ziel ist es, keine Modelle aus einem Katalog zubauen, sondern für uns liegt der Reiz im Seltenen bzw. Ungewöhnlichen: so hatte Bernd mal den Vorschlag gemacht ein Verklappungsschiff von Kronos Titan nach zubauen. Das Ganze wurde dann zu den Akten gelegt, weil wir keine geeignete Flüssigkeit zum "Verklappen" gefunden haben. Schließlich sollte es ja ein "Funktionsmodell" werden. Allerdings müssen Schiffsmodellbauer die Umweltbestimmungen auch einhalten.

Nach dem Testbau des britischen Schleppers "Blazer" nach einer Planvorlage habe ich mich entschlossen, einen wenig bekannte Schiffstyp nachzubauen. Meine Wahl fiel auf ein "UZ" Boot (U-Boot-Zerstörer) aus der Zeit zwischen 1917 - 1921. Ich habe durch meinen Großvater Karl Helms, der als Maschinist auf UZ 21 und UZ 35 gefahren ist, einen Bezug zu diesen Booten. Meine Wahl viel auf UZ 35.

                       

 

UZ 35 bei einer Probefahrt am 14 August 1921 auf der Jade

 

 

 

 

 

 

 

Da es praktisch in der gängigen Modellbauwelt keine Information über UZ Boote gibt, musste erst mal nach Quellen geforscht werden. Ziel sollte eine möglichst genau Dokumentation über die UZ Boote sein.  In der hannoverschen Stadtbibliothek gibt es eine empfehlenswerte Buchreihe von Gröner/Mickel über die deutsche Marine von den Anfängen bis zur Gegenwart. Dort fand ich eine Auflistung über die UZ Boote unter anderem auch über UZ 35. 

Durch einen Briefwechsel mit einem der Autoren (Dipl.Ing. Peter Mickel) bekam  ich erste Informationen  und  Unterlagen, die mir später helfen sollten, mit Coral Draw einen Bauplan im  Maßstab 1: 25 zu erstellen. Weitere Hilfe bekam ich aus Berlin von Dr. Dieter Jung, der  mir die Kopie eines Artikels von 1922 aus der Buchreihe "Schiffsbau" zur  Verfügung stellte. Es soll in der Zeitschrift "Yacht" im gleichen Zeitraum, ein  weiterer Artikel erschienen sein.

Es  folgten weitere Anfragen beim Schifffahrtsmuseum in Bremerhaven und im  Bundesarchiv in Freiburg. In dem oben erwähnten Artikel von 1922 wurden auch  die Bauwerften von den UZ Booten aufgeführt. Also schrieb ich die noch existierende  Lürssen Weft an, mit der Bitte, mir eine Kopie von einem Generalplan zu schicken. Leider sind frühere Teile des Lürssen Archivs vernichtet, aber ich bekam den Hinweis, mich an die Werft  Abeking & Rasmussen zu wenden. 

Meine Anfrage wurde von Frau Antje Otte-Beeck bearbeitet. Tatsächlich gab es noch verschiedene Ansichten (Generalplan, Spantenriss und Hauptspant) im Archiv von Abeking & Rasmussen. Mit diesen Unterlagen ausgestattet, begann ich einen Spantenriss mit Coral Draw im Maßstab 1 : 25 zu zeichen. 

Sicher wäre es einfacher gewesen nach den vorhandenen Vorlagen den Bau zu beginnen, aber durch die Neuzeichnung mit modernen tech. Mitteln besteht die Möglichkeit, Ergänzungen einfließen zu lassen und frühere Fehler auszugleichen. Dazu kommt die Möglichkeit, Bauteile wie Wellen und Motore so anzupassen, dass es im späteren Modell keine Konflikte mit Spanten oder schwer zugänglichen Bereichen gibt. Durch die Ebenentechnik von Coral Draw lässt sich praktisch das zukünftige Modell am Arbeitsplatz millimetergenau planen und zusammenzusetzen.

Seitenansicht eines UZ-Bootes, gezeichnet mit Coral Draw

Spant 8 und 9

Bericht wird fortgesetzt ...